Braucht New Work neues Lernen?

Die Art und Weise, wie wir Wissen und Fähigkeiten erwerben, ändert sich mit der Art und Weise, wie wir arbeiten. Der Schlüsselbegriff, der derzeit in aller Munde ist – New Work.

So spielen beispielsweise projektorientierte Aufgaben eine immer wichtigere Rolle. Solche Projekte schaffen oft ganz neue Herausforderungen, auf die wir durch unsere Ausbildung oder unsere Berufserfahrung unzureichend vorbereitet sind. Stattdessen werden für die begrenzte Projektlaufzeit zusätzliche Kompetenzen erwartet, die schnell erworben und angewendet werden können. Es liegt nahe in diesen Fällen, statt Präsenzseminaren – die möglicherweise erst drei Monate später stattfinden – Alternativen, bzw. ergänzende Dinge zu nutzen.
New Work umfasst auch Unternehmensstrukturen, die sich zunehmend verändern. Starre Hierarchien werden aufgebrochen, Verantwortlichkeiten dezentralisiert. In einigen dynamischen gemischten Teams kann dies bis hin zur Ignorierung von Führungspositionen gehen. Der Trend geht dahin, die volle Verantwortung für die eigene Arbeit zu übernehmen. Und natürlich muss jeder, der auch von zu Hause oder unterwegs flexibel arbeitet, viel Eigenverantwortung übernehmen und über eine gute Selbstorganisationsfähigkeit verfügen. Die weit verbreitete Lernkultur basiert jedoch noch zu stark auf Ideen aus früheren Jahrzehnten, in denen das Wissen formal vermittelt und von seinem späteren Zweck abgekoppelt wurde. Mit der digitalen Transformation, die ganze Unternehmen und den Arbeitsalltag ihrer Mitarbeiter verändert, ändert sich auch das.


Die Digitalisierung eröffnet neue Lernmöglichkeiten

Die Digitalisierung ist nicht nur der Katalysator für schnelle Veränderungen in der Arbeitswelt. Sie ist auch ein Türöffner für neue Lernmöglichkeiten. Viele Mitarbeiter sind es ohnehin gewohnt, mobile Collaboration-Tools oder Cloud-basiertes Informationsmanagement einzusetzen. Digitale oder digital erweiterte Lernformate fügen sich dabei nahtlos ein. Ihre zentrale Stärke liegt darin, dass die Teilnehmer ihre Lernziele, Intensität, Zeitpunkt und Dauer des Lernens an ihre individuellen Bedürfnisse genau anpassen können.

Am Beispiel der Projektarbeit bedeutet dies, dass die Mitarbeiter die erforderlichen Fähigkeiten kurzfristig erlernen und zur Verfügung haben, wenn sie sie wirklich brauchen. Natürlich bringt diese praktische Form des Lernens auch außerhalb von Projekten erhebliche Vorteile – das Gelernte lässt sich durch direkte Anwendung leichter und nachhaltiger integrieren. In digitalen Lernprogrammen, die in den Arbeitsprozess integriert sind, geben die Lerninhalte Antworten auf arbeitsbezogene Fragen. Und durch den kontinuierlichen Transfer des Lernens in den Arbeitsalltag erfahren die Mitarbeiter direkt die Relevanz des Lernmaterials. Um motiviert zu lernen, ist diese Verbindung ein enormer Vorteil.


Motiviertes und unabhängiges Lernen

Bei hoher Motivation und flexibler Integration des Lernens in den Arbeitsalltag wird es weniger Rivalität zwischen Lernen und Arbeiten geben. Dies ermöglicht eine weitere Voraussetzung für modernes Arbeiten – die Erhöhung der Eigenverantwortung. Jeder Lernende kann individuell herausfinden, welcher Lerntyp er ist, auf welchen Vorkenntnissen er aufbauen kann und welche Inhalte jetzt oder mittelfristig wichtig sind. Gleichzeitig ist eine Gemeinschaftserfahrung nach wie vor wichtig und möglich; über integrierte Lernplattformen können die Lernenden (z.B. Teammitglieder) miteinander kommunizieren und Materialien, Medien und Fragen austauschen.

Dieser Austausch erhöht nicht nur die Motivation und Unabhängigkeit. Es ermöglicht auch einen Blick über den Tellerrand hinaus und bringt Experten unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Tätigkeitsbereichen zusammen, während sie alle ihren eigenen persönlichen Lernpfaden folgen. Unternehmen, die ein Trainingsprojekt für ihre internationalen Niederlassungen durchführen, profitieren auch vom unternehmensinternen Austausch und davon, dass digital unterstützte Trainingskurse lokale Bedürfnisse, Anforderungen und Zeitrahmen berücksichtigen können.


Der Human Touch

Ein wichtiges Element des Präsenzlernens ist der direkte Kontakt zu den Trainern. Dies kann auch bei digitalen Lernformaten ermöglicht werden. Tutoren beraten die Lernenden während des gesamten Programms, Coaches geben Feedback über den Fortschritt und bereiten die Teilnehmer auf Prüfungen vor. Durch die digitalen Formate ist in Bezug auf Zeit, Inhalt und Lernen eine sehr individuelle Einzelbetreuung möglich. Darüber hinaus können auch Vorgesetzte kontinuierlich einbezogen werden, um Lernziele und -inhalte aufeinander abzustimmen und die Teilnehmer bis zum erfolgreichen Abschluss des Kurses zu begleiten.

Digitale Lernprogramme bieten ein umfassendes Monitoring, um eindeutig feststellen zu können, ob das Ziel richtig ist und ob die Trainings wirklich erfolgreich sind. Mit Lernzielkontrollen können Teilnehmer, Teamleiter und Vorgesetzte den individuellen Lernprozess erfassen, bei Bedarf neu anpassen und schließlich Lernerfolge transparent dokumentieren. Denn es geht um viel mehr als nur um einfache Teilnahmezertifikate: In digitalen Trainingskursen können tatsächliche Fortschritte und Leistungen mit arbeitsbezogenen Lernzielen verglichen werden.


Die Mischung macht’s

Unternehmen, die Fähigkeiten und Fertigkeiten nicht nur durch die Gewinnung neuer Mitarbeiter integrieren wollen, können die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter gezielt weiterentwickeln. Neue digitale Lernformate bieten die Möglichkeit dazu. Natürlich bleiben die etablierten, klassischen Lernformen, wie Präsenztrainings, weiterhin wichtig. Vielmehr ist ein individuell angepasster Mix möglich – je nach Lernzielen, Inhalten und persönlichen Vorlieben. Dabei spielt der „digitale Reifegrad“ des Einzelnen und des gesamten Unternehmens eine große Rolle.

Was sind deine bisherigen digitalen Erfahrungen? Wie sicher und unabhängig sind die Mitarbeiter im Umgang mit digitalen Geräten, Medien und Prozessen? Und schließlich: Wie neugierig sind Menschen auf neue und zukunftsweisende Ansätze, mit denen sie sich Fähigkeiten für New Work und digitale Transformation aneignen können?

Hier geht es zum Original-Artikel.

Alle Rechte vorbehalten (Sophia Purmann).

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5 Tipps zur Verbesserung der Lern(er-)erfahrung

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Die Idee scheint gut zu sein, aber was für den (Lernpfad-)Designer pädagogisch relevant und einfach erscheint, mag aus Sicht des Lernenden manchmal kompliziert erscheinen.

Im digitalen Zeitalter reicht die Frage „Ist die Lehrmethode geeignet?“ nicht mehr aus. Es ist wichtig, sich „in die Lage“ des Lernenden zu versetzen, mögliche Störfaktoren zu finden und zu beseitigen!

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